Thema: Unpersönliche Verbformen

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Unpersönliche Verbformen
12.10.2006 von stanton

Unpersönliche Verbformen
12.10.2006 von stanton

Unpersönliche Formen werden im Österreichischen verwendet, um Vorgänge auszudrücken, die nicht mit einem aktiven Tun verbunden sind, auch wenn im Nord-/Hochdeutschen dafür Aktivformen verwendet werden. Beispiele:

mich hat's aufblattlt - ich bin gestürzt
mich hat's zammghaut - ich bin zusammengebrochen

Äs hèt mì überschlagè. Äs hèt mì ùmghouè.
26.07.2008 von System1

Unpersönliche Formen werden im Österreichischen verwendet, um Vorgänge auszudrücken, die nicht mit einem aktiven Tun verbunden sind, auch wenn im Nord-/Hochdeutschen dafür Aktivformen verwendet werden. Beispiele:

mich hat's aufblattlt - ich bin gestürzt
mich hat's zammghaut - ich bin zusammengebrochen



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Unpersönlich jedoch nur in österr. Dialekten nicht im österr. Standarddeutsch! In den 3 Standarddeutsch (at, ch, de) werden persönliche Formulierungen vorgezogen.

Unpersönliche Formulierungen sind auch in den berndeutsche Dialekten (Schweiz) häufig:

Äs hèt mì überschlagè. = Ich bin gestürzt. Ich stürzte.
Äs hèt mì ùmghouè. = Ich bin zusammengebrochen. Ich brach zusammen.
Äs hèt mèr èys ghouè. = Mich durchfuhr ein elektrischer Schlag.
Äs hèt mì glìtzt. = Ich bin ausgerutscht. Ich rutschte aus.
Äs hèt mì übernoo. = Ich begann zu weinen.
Äs hèt mì ggüfèrèt. = Ich habe gefroren. Ich fror.
Äs hèt mì ì ds Bètt ghèyt. = Ich bin krank geworden. Ich wurde krank.

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Re: Unpersönliche Verbformen
03.08.2008 von Brezi

Erst einmal danke, lbr oberhaenslir, für die schönen berndeutschen Wörter. Du musst wissen, dass ich diesen Dialekt von allen am meisten liebe (aber vor allem aktiv nur sehr beschränkt beherrsche). Die meisten der hier von dir angebrachten Partizipien sind völlig neue Vokabeln für mich, über die ich mich riesig freue.

Dass diese unpersönlichen Formen allein in Dialekten oder in der österreichischen Sprache (ungeachtet der Sprachschicht) vorkommen kann ich hingegen nicht verifizieren.

"Es hat mich umgehauen" ist in der abstrakten Bedeutung "ich war völlig überrascht/erstaunt/erschrocken/schockiert" im gesamten deutschen Sprachraum und dort auch in der geschriebenen Hochsprache in reger Verwendung und ist dort synonym mit der eher nur bundesdeutschen Wendung "Es hat mich aus den Socken gehauen".

Hingegen gibt es für Konstruktionen dieser Art in jedem Dialekt (diehe oberhaenslirs berndeutsche Beispiele) regionaltypische Verben (die hier natürlich partizipiell gebraucht werden, aber das ist schließlich ohne Belang).

In Ostösterreich sagt man zum Beispiel

Mi hods hiiprackt: Ich bin (beim Gehen oder Laufen) spektakulär gestürzt.
Nicht zu verwecheln mit:
Es hod mi prackt: Ich bin zusammengebrochen (Ohnmacht, Epilepsie, Kollaps)

Man verzeihe mir, dass ich die sicher praktische, aber in österreichischen Augen seltsam aussehende, Qualifizierung von offenen und geschlossenen Vokalen mit Akuti und Graves nicht verwende.


Im übrigen finde ich die von oberhaenslir immer wieder vertretene These, es gebe im deutschen Sprachfeld genau die drei Standards Schweizerisches, Deutschländisches und Österreichisches Standarddeutsch, nicht so absolut wie von ihm dargestellt. Beispielsweise hat das Schweizerdeutsche (tw. sogar überregional) einige Standards, etwa die der Schreibung der mhd. Zwielaute ie, ue, üe sowie des Schwa-Lautes -e am Wortende. Weit verbreitet ist auch der gebrauch, das ahd. lange î in Schweizer Dialekten mit y zu umschreiben. Von solchen ungeschriebenen Regeln ist namentlich das Mittelbairische Ostösterreichs Meilen entfernt. Selbst die sprachlich inhomogene Region des Bregenzerwaldes hat einige Standards: dort wird zum Beispiel der erwähnte Schwa-Laut nicht mit -e- sondern mit 'o' umschrieben: Buobo, wietor [1] (Bern: Buebe, wyt(e)r)[1], man beachte, dass im Bregenzerwälder Wort 'wietor' das ie wie hochdeutsches ie ausgesprochen wird und nicht wie berndeutsch 'lieb'!

Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele: so sehe ich in Schweizer Druckwerken noch immer nebeneinander die Schreibungen 'uustrücklech', 'usdrücklech' und derlei vieles mehr, während es in Ostösterreich wieder bereits als fix und unantastbar gelten muss, dass die hier sekundär monophthongierten ei- und au- (in Fremdwörtern und vor l auch eu-) laute in historischer (und nicht phonetischer) Rechtschreibung festgehalten werden: also drei, Bauch, äulig[2], Euro (und nicht drää, Bååch, öölig, Öro (für den extrem offenen ö-Laut hat m. W. nicht einmal die Internationale Lautschrift ein Zeichen. Am ähnlichsten ist diesem Laut noch jener der britischen Form von 'third').

Im Gegensatz dazu sind auch die im Druck erscheinenden Hochsprachen der wichtigsten drei deutschsprachigen Länder zwar weitgehend, aber mitnichten zur Gänze standardisiert. So werden Wiener Autoren immer Germstriezel und Gehschule schreiben, was einem Tiroler nie über die Feder/Tastatur käme. Dort heißt es (zum unberechtigten Schrecken der Ost-Ösis): Hefezopf und Laufstall.

Wie man meiner Meinung nach daraus sieht, ist es wichtig, zwischen standardisiert und nicht standardisiert zu unterscheiden. Eine scharfe Grenze zwischen dem vollständig standardisierten Hochdeutschformen dreier Länder und den völlig unstandardisierten zu ziehen, halte ich für ein kleinwenig überzogen. Das ist aber eine Meinung.

Empfehle mich!

Brezi

[1] Übersetzung: Buben (Jungen), weiter
[2] Übersetzung: eilig


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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