Hauptschul-, Volksschul-, Berufsschul-,... : Amtsbezeichnungen von Lehrern bzw....


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Hauptschul-, Volksschul-, Berufsschul-, Sonderschul-, Fachschul-, Sprach- , Religions-, Musikhauptlehrer/ -in

Amtsbezeichnungen von Lehrern bzw. Lehrerinnen mit langer Dienstzeit


Tags: amtssprachlich historisch

Erstellt von: Koschutnig am 01.Apr.

Links: Österreichisches Wörterbuch : Hauptschul-, Volksschul-,  Berufsschul-,  Sonderschul-, Fachschul-, Sprach- , Religions-, Musikhauptlehrer/ -in V W

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Bekanntheit

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Von 1953 bis 1978 wurden Lehrer und Lehrerinnen im Laufe ihrer Dienstzeit mit 3 unterschiedlichen Amtstiteln (Amtsbezeichnungen) bedacht, und zwar Lehrer(in) / Oberlehrer(in) / Hauptlehrer(in) - jeweils mit dem Zusatz der jeweiligen Schultype oder aber des besonderen Faches, das sie unterrichteten.
Zunächst mussten alle Lehrerinnen ihren jeweiligen Amtstitel in der männlichen Form führen ("Frau Volksschullehrer" ), vorgesehen war eine weibliche Form nur bei der Arbeitslehrerin, - oberlehrerin, - hauptlehrerin (Letztere gab's überhaupt erst ab 1958):
Lehrer mit einem das Unterrichtsfach bezeichnenden Zusatz: zum Beispiel Religionslehrer, Sonderschullehrer, Musiklehrer, Arbeitslehrerin

Oberlehrer mit demselben Zusatz: zum Beispiel Religionsoberlehrer, Sonderschuloberlehrer, Musikoberlehrer, Arbeitsoberlehrerin

Hauptlehrer mit demselben Zusatz: zum Beispiel Religionshauptlehrer,
Sonderschulhauptlehrer, Musikhauptlehrer, Arbeitshauptlehrerin
Quelle: Landeslehrer-Amtstitelverordnung 1958

von Koschutnig am 01.Apr.

 
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Paradoxon:

Während die "Hauptschule" eine österr. Erfindung von 1927 war, die schließlich in den 1960er Jahren auch in der BRD Einzug hielt, war der "Hauptlehrer" etwas recht altes Deutsches. Schon im 19. Jh. existierten dort "Volksschulhauptlehrer", z.B.

Die Gnadengaben für Hinterbliebene von Volksschulhauptlehrern betreffend. Friedrich, von Gottes Gnaden Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen.
Quelle: Badisches Gesetz- und Verordnungsblatt (1892)

An anderen Schulen sprach man allerdings bloß von Haupt-, nicht aber von Hauptschulhauptlehrern:
So begann am 28. August 1970 mit 666 Schülern der Unterricht an der Hauptschule in Bernkastel-Kues. Mit der kommissarischen Leitung der Schule wurde der Hauptlehrer Herr Franz Schmitt beauftragt, der am 1. Dezember 1970 in Anwesenheit des damaligen Ministerpräsidenten, Herrn Bernhard Vogel, zum Rektor der Hauptschule Bernkastel-Kues ernannt wurde.
Quelle: Realschule plus


1970 verzichtet Österreich auf die lächerliche Titel-Nachahmung, man zwang jedoch die armen so Geehrten, die groteske Betitelung weiter zu führen, so sie nicht eine weitere Ehrung erhielten:
Amtstitel, die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung auf Grund der Landeslehrer-Amtstitelverordnung 1970, BGBl. Nr. 269, verliehen wurden, sind bis zur Verleihung eines neuen Amtstitels nach dieser Verordnung in der Fassung des Artikels I weiterzuführen.
§ 4 der Landeslehrer-Amtstitelverordnung 1970 in der Fassung des Artikels I findet auch auf Lehrer Anwendung, die den Amtstitel Volksschulhauptlehrer, Hauptschulhauptlehrer, Sonderschulhauptlehrer, Hauptlehrer des Polytechnischen Lehrganges bzw. Berufsschulhauptlehrer führen.
Quelle: 448. Verordnung
Und beinah unglaublich: 14 Jahre danach war man dann viel milder geworden, da gab's keinen Zwang mehr:

§ 119. Landeslehrer, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Bundesgesetzes im Rahmen ihres Amtstitels zur Führung der Bezeichnung „Hauptlehrer" berechtigt waren, dürfen bis zur Verleihung eines neuen Amtstitels nach § 55 Abs. 4 diesen Amtstitel weiterführen.
Quelle: Ris - Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz - LDG 1984
Der "neue Amtstitel" war übrigens ein "Direktor" mit dem Zusatz "i.R.":
Anläßlich des Übertrittes oder der Versetzung in den dauernden Ruhestand kann besonders verdienten Volksschuloberlehrern, Hauptschuloberlehrern, Sonderschuloberlehrern, Oberlehrern des Polytechnischen Lehrganges und Berufsschuloberlehrern sowie Berufsschuldirektorstellvertretern von ihrer Dienstbehörde der für Leiter der betreffenden Schulart bestimmte Amtstitel verliehen werden."
Quelle: 448. Verordnung, Änderung der Landeslehrer-Amtstitelverordnung 1970, BGBl v. 31. August 1978

1997 - Nicht allen hatte dieses Glück geblüht:
Ihr 70. Lebensjahr vollendeten am [...] am 4. Juli Schulrätin Herta Ebner, Hauptschulhauptlehrerin i.R., Hallein;
am 6. Juli Schulrätin Klara Fxxx, Hauptschulhauptlehrerin i.R., Bischofshofen,
Schulrätin Leopoldine Bxxx, Hauptschulhauptlehrerin i.R., Straßwalchen,
und Schulrat Ludwig Schxxx, Volksschulhauptlehrer i.R., Oberndorf.
Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger übermittelte den Jubilaren offiziell sowie persönlich die herzlichsten Glückwünsche.
Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 7.7.1997

von Koschutnig am 01.Apr.

 


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Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.